Ambivalente Beziehungsmuster

In der Psychologie verwendet man den Begriff ambivalente Beziehungsmuster für die Partnerschaften und Eltern-Kind-Bindungen, die von einem unberechenbaren Wechsel aus Ablehnung und Annäherung gekennzeichnet sind. Solche Beziehungen sind einerseits besonders zerbrechlich und belastend für die Betroffenen und können andererseits zur Ausprägung starker Abhängigkeiten führen.

Wo treten ambivalente Beziehungsmuster auf?

Ambivalente Beziehungsmuster kommen besonders häufig in Familien mit einem Suchthintergrund vor. Dabei ist es unerheblich, um welche Art der stofflichen Abhängigkeit es sich handelt. Beim regelmäßigen Konsum von Alkohol und harten Drogen kommt es regelmäßig zu den gleichen Abläufen. Im Zustand der unbefriedigten Sucht kann es entweder zu einem übertriebenen Verhalten der Anhänglichkeit oder zu unberechenbaren Wutausbrüchen durch die Entzugserscheinungen kommen. Wird die Sucht befriedigt, wird dem Süchtigen die Umwelt völlig gleichgültig.

Wie werden ambivalente Beziehungsmuster ausgelöst?

Vor allem kleinere Kinder können sich diesen Verhaltenswechsel nicht erklären und suchen die Schuld sehr oft bei sich selbst. Sie fühlen sich unzulänglich und abgelehnt, was bis hin zur Ausprägung von tiefen Depressionen und einem kompletten sozialen Rückzug führen kann, der meist von einem rapiden Abfall der schulischen Leistungen begleitet ist. Solche auffälligen Verhaltensänderungen sollten für das Umfeld und auch für Lehrer und Erzieher immer ein Alarmsignal und eine Aufforderung zum Handeln sein. Hat man selbst kein passendes Handlungskonzept, hilft ein vertrauliches Gespräch mit dem Jugendamt, das dann das Feedback von Lehrern oder Kindergärtnern mit einholen wird, bevor direkter Kontakt mit der betroffenen Familie aufgenommen wird.

Werden Kinder über längere Zeit solchen emotionalen Schwankungen ausgesetzt, kann das nicht nur zu einer so genannten Co-Anhängigkeit, sondern auch zu schlimmen und nur schwer zu behandelnden Persönlichkeitsstörungen wie Borderline oder einer bipolaren Störung führen, die die Kids oft ein Leben lang begleiten. Rechtzeitiges Eingreifen ist hier also immer wichtig.

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